Claude baut deine Power App: So richtest du MCP für Canvas Apps ein
Du beschreibst deine App, Claude baut sie live in Power Apps Studio. So richtest du das offizielle Canvas-Apps-Plugin von Microsoft mit MCP ein, Schritt für Schritt.
Du beschreibst deine App in ein paar Sätzen, und in Power Apps Studio entstehen Bildschirme, Steuerelemente und Formeln. Klingt nach Zukunft, geht aber heute schon. Mit Claude Code, dem offiziellen Canvas-Apps-Plugin von Microsoft und MCP. Ich zeig dir, wie du das einrichtest.
Was ist MCP überhaupt?
MCP steht für Model Context Protocol. Ein offener Standard, über den ein KI-Agent mit anderen Programmen sprechen kann. Claude schreibt dann nicht nur Text, sondern benutzt Werkzeuge: nachschauen, welche Steuerelemente es gibt, welche Datenquellen in deiner App hängen, und den eigenen Code direkt gegen Power Apps prüfen.
Microsoft stellt dafür einen eigenen Server bereit, den Canvas Authoring MCP Server. Er steckt im Plugin canvas-apps aus Microsofts Plugin-Marketplace power-platform-skills. Du musst also nichts selbst programmieren.
So funktioniert das Zusammenspiel
- Du öffnest deine Canvas App in Power Apps Studio, mit eingeschaltetem Coauthoring.
- Claude verbindet sich über den MCP-Server mit genau dieser Sitzung.
- Du beschreibst, was du willst. Wo etwas unklar ist, fragt Claude nach.
- Claude schreibt die App als
.pa.yaml-Dateien: Bildschirme, Steuerelemente, Power-Fx-Formeln. - Der MCP-Server prüft den Code bei Power Apps. Meldet Power Apps einen Fehler, korrigiert Claude ihn und prüft erneut.
- Die Änderungen landen über die Coauthoring-Sitzung in deinem Studio-Tab.
Was du brauchst
- Claude Code. Die Agenten-Variante von Claude, die auf deinem Rechner arbeitet. Läuft im Terminal, in VS Code oder in der Claude-Desktop-App.
- Das .NET 10 SDK. Nicht nur die Runtime, sondern das SDK. Darüber startet der MCP-Server.
- Ein Arbeitskonto mit Zugriff auf eine Power-Platform-Umgebung, in der du Canvas Apps anlegen und bearbeiten darfst.
- Eine gespeicherte Canvas App in dieser Umgebung. Die darf komplett leer sein.
- Coauthoring muss in dieser App eingeschaltet sein.
Schritt 1: .NET 10 SDK prüfen
Öffne ein Terminal und gib ein:
dotnet --list-sdks
In der Ausgabe muss eine Version stehen, die mit 10. anfängt, oder eine höhere. Steht da nichts oder kennt dein Rechner den Befehl gar nicht, installier das .NET 10 SDK und starte Terminal und Claude Code danach neu.
Schritt 2: Plugin in Claude Code installieren
Starte Claude Code und gib nacheinander diese zwei Befehle ein:
/plugin marketplace add microsoft/power-platform-skills
/plugin install canvas-apps@power-platform-skills
Der erste Befehl fügt Microsofts Marketplace hinzu, der zweite installiert das Canvas-Apps-Plugin. Das bringt alles mit: den MCP-Server, die Skills und die Bauanleitungen, nach denen Claude arbeitet. Falls die Werkzeuge danach nicht auftauchen, starte Claude Code einmal neu.
Für die Neugierigen: So ist der MCP-Server im Plugin eingetragen. Eintippen musst du das nicht.
{
"mcpServers": {
"canvas-authoring": {
"command": "dnx",
"args": ["Microsoft.PowerApps.CanvasAuthoring.McpServer", "--yes"]
}
}
}
Heißt: Claude startet den Server über dnx, ein Werkzeug aus dem .NET 10 SDK. Genau deshalb brauchst du Schritt 1.
Schritt 3: App anlegen und Coauthoring einschalten
- Geh auf make.powerapps.com und wähl oben rechts die richtige Umgebung.
- Leg eine leere Canvas App an und speicher sie einmal.
- Öffne in Power Apps Studio die Einstellungen, geh auf Updates und schalte Coauthoring ein. In der deutschen Oberfläche kann der Schalter anders übersetzt sein, er sitzt aber an derselben Stelle.
- Lass diesen Browser-Tab offen. Die ganze Zeit.
Der letzte Punkt ist kein Detail. Claude arbeitet über die Coauthoring-Sitzung in genau diesem Tab. Machst du ihn zu, kann Claude nichts mehr prüfen und nichts mehr übertragen.
Schritt 4: Claude mit deiner App verbinden
Kopier die komplette Adresse aus der Adresszeile, während die App in Studio im Bearbeitungsmodus offen ist. Sie sieht ungefähr so aus:
https://make.powerapps.com/e/Default-.../canvas/?action=edit&app-id=...
Dann in Claude Code:
/configure-canvas-mcp
Claude fragt nach der URL und liest daraus Umgebung und App-ID. Du meldest dich einmal mit deinem Microsoft-Konto an, fertig. Zum Test schreibst du:
Liste mir die verfügbaren Canvas-App-Steuerelemente auf.
Kommt eine Liste mit Buttons, Galerien, Formularen und Co. zurück, steht die Verbindung.
Schritt 5: App beschreiben und bauen lassen
Jetzt kommt der spannende Teil. Starte mit /canvas-app oder schreib einfach, was du brauchst. Sag dabei ausdrücklich „Canvas App“, damit Claude den richtigen Skill erwischt. Und je genauer du beschreibst, desto besser wird der erste Wurf:
Erstelle eine Canvas App für Urlaubsanträge. Startseite mit einer durchsuchbaren Liste meiner Anträge, der Status farbig markiert. Ein Formular für neue Anträge mit Von, Bis, Grund und Vertretung. Eine Detailansicht, in der die Führungskraft genehmigen oder ablehnen kann. Datenquelle ist die SharePoint-Liste „Urlaubsanträge“. Schlichtes Design in Lila und Weiß.
Was dann passiert: Claude schaut nach, welche Steuerelemente und Datenquellen da sind, stellt Rückfragen und zeigt dir einen Plan. Nach deinem Okay baut es die Bildschirme, lässt jede Datei von Power Apps prüfen und behebt Fehler selbst. Du siehst die App in deinem Studio-Tab wachsen.
Danach testest du in Studio und sagst einfach, was anders sein soll. Bilder oder Skizzen kannst du übrigens auch mitgeben, wenn du ein bestimmtes Layout im Kopf hast.
Datenquellen fügst du selbst hinzu
Eine Sache macht Claude bewusst nicht: Datenquellen und Connectors anlegen. Die fügst du in Studio über Daten › Daten hinzufügen hinzu. Danach sieht Claude sie über den MCP-Server, liest die Spalten aus und verwendet sie in den Formeln. Mit /add-data-source führt Claude dich durch die Schritte und prüft am Ende, ob alles angekommen ist.
Mein Tipp: Leg die SharePoint-Liste oder Dataverse-Tabelle an und verbinde sie, bevor du Claude bauen lässt. Dann arbeitet Claude mit deinen echten Spaltennamen statt mit Annahmen.
Bestehende Apps bearbeiten
Geht genauso. Claude holt sich den aktuellen Stand der App aus der Sitzung und ändert gezielt, was du beschreibst. Zum Beispiel:
- „Füge in meiner Canvas App einen Filter hinzu, der nur offene Anträge zeigt.“
- „Bau die Startseite meiner Canvas App als Kachel-Layout statt als Liste.“
- „Ergänze im Formular eine Prüfung, dass das Enddatum nach dem Startdatum liegt.“
Wo du trotzdem selbst denken musst
Claude baut schnell. Aber es kennt deinen Prozess nicht. Es weiß nicht, wer bei euch Urlaub genehmigt, was bei Vertretungen passiert oder wer welche Daten sehen darf.
- Prozess: Wer macht was, wann, und was passiert bei Ausnahmen?
- Datenmodell: Welche Spalten brauchst du wirklich, und wo liegen die Daten?
- Berechtigungen: Wer darf was sehen, ändern und freigeben?
- Testen: Mit echten Daten und echten Sonderfällen, nicht nur mit einem Beispiel.
- Prüfen: Microsoft sagt selbst, dass du für die Prüfung des erzeugten Codes verantwortlich bist.
Sicherheit: Darauf achtest du
- Plugin nur aus dem offiziellen Marketplace installieren und aktuell halten. Gleiches gilt für Claude Code und das .NET SDK.
- Mit einem Konto verbinden, das nur die Rechte hat, die es für diese App braucht.
- Erst in einer Entwicklungs- oder Testumgebung bauen, nicht direkt in der produktiven App.
- Keine Passwörter, Tokens oder Verbindungszeichenfolgen in den Chat kopieren.
- Bevor du eine Aktion freigibst: Stimmen Umgebung, App und das, was Claude vorhat?
- Die Datenrichtlinien (DLP) deines Unternehmens können Connectors einschränken. Im Zweifel frag deinen Admin.
Typische Stolperfallen
- „dotnet“ oder „dnx“ wird nicht gefunden: Das SDK fehlt, oft ist nur die Runtime installiert. SDK installieren, Terminal und Claude Code neu starten.
- Verbindung klappt nicht: Die URL muss aus dem Bearbeitungsmodus in Studio kommen, nicht aus dem App-Player oder von der Power-Apps-Startseite.
- Verbindung bricht ab: Der Studio-Tab wurde geschlossen oder die Sitzung ist abgelaufen. App neu öffnen und
/configure-canvas-mcpnochmal ausführen. - Paket lässt sich nicht laden: Häufig blockiert die Firmen-IT die öffentliche NuGet-Quelle. Mit
dotnet nuget list sourceprüfen und bei der IT nach der freigegebenen Quelle fragen. - Werkzeuge tauchen nicht auf: Claude Code neu starten. Hilft das nicht, blockiert eventuell eine Unternehmensrichtlinie lokale MCP-Server.
Fazit
Mit MCP wird Claude zum echten Mitbauer in Power Apps. Die Einrichtung sind fünf Schritte: SDK, Plugin, App, Verbindung, loslegen. Der Rest ist beschreiben, testen, verbessern. Wer seinen Prozess kennt, kommt so viel schneller zu einer ersten lauffähigen Version. Und wer ihn nicht kennt, merkt es jetzt einfach früher.
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Quellen: Microsoft Learn: Canvas Apps mit KI-Code-Tools erstellen und microsoft/power-platform-skills auf GitHub. Stand: Oktober 2026, Plugin-Version 3.0.3. Befehle und Oberflächen können sich mit neuen Versionen ändern.